Horst Zeise, der König vom Köhlfleet
Horst Zeise

Es ist nicht einfach 3 Dinge unter einen Hut zu bringen, das Wetter, Horst Zeise und mich. So werden die schönen Fotos noch eine Weile warten müssen. Herr Zeise ist mir wichtig und gehört hier einfach her, wie ich finde!

Nachfolgender Text von Kerstin Hense

Auf Waltershof ist Horst Zeise der „König vom Köhlfleet"

Seit vier Jahren ist der 66-Jährige die gute Seele der Elb-Segler-Vereinigung und bewacht 200 Boote. Dass er fast allein im Quartier lebt, stört ihn nicht.
Container türmen sich wie eine Mauer in den grauen Himmel. An diesem Morgen ist keine Menschen-seele auf den Straßen von Waltershof zu sehen. Kein Spaziergänger, kein Fahrradfahrer weit und breit. Schwerlaster fahren in Richtung Autobahn. Ein optisch unattraktiver Industriestandort im westlichen Teil des Hamburger Hafens - das ist die eine Seite von Waltershof.
Die andere Seite, das ist etwa das kleine, gemütliche Haus von Horst Zeise am Köhlfleet. Dort sitzt der 66-Jährige auf seiner Dachterrasse in der Herbstsonne. „Schauen Sie doch, wie romantisch es hier ist", sagt er, während sein Blick über die Elbe schweift. „Schöner kann ich es nicht haben", schwärmt der Rentner, in dessen Garten sogar ein kleines Zitronenbäumchen im Sommer maritimes Flair verbreitet.
Vor vier Jahren hat es ihn nach Waltershof verschlagen. Damals hat die Elb-Segler-Vereinigung jemanden gesucht, der auf ihr Gelände aufpasst. „Das Angebot hat mich gereizt", sagt der erfahrene Seemann, der viele Jahre als Maschinist auf einem Schiff gearbeitet hat. Kurz darauf ist Zeise aus seiner Stadtwohnung in Dulsberg in das weiße Seglervereinshaus am Elbufer gezogen. Seitdem ist er der „King of Köhlfleet"-so wird er von den Seglern genannt - weil er Tag und Nacht über mehr als 200 Boote wacht.
Horst Zeise kennt Waltershof inzwischen wie seine Westentasche. Er hat herausgefunden, dass es im Trucker-Treff „das beste Putensteak Hamburgs gibt" und wer etwa am Steuer des Lotsenbootes steht. Wie sein Postbote heißt, weiß er auch. Nur seine Nachbarn, die kennt er nicht. „Ich habe gehört, dass hier außer mir noch vier weitere Menschen leben", sagt Horst Zeise. Selbst beim Bezirksamt kann niemand genau sagen, wie viele Einwohner der Stadtteil hat. Da es nur sehr wenige sind, erhebt die Stadt die statistischen Daten für Waltershof und das westlich gelegene Finkenwerder gemeinsam.
Einsam fühlt sich der Rentner aber trotzdem nicht. „Bei uns im Seglerverein ist immer was los", sagt Horst Zeise. Und wenn ihm trotzdem mal die Decke auf den Kopf fällt, dann setzt er einfach mit seiner Segeljacht „Caramia" vom Bubendey-Ufer zu den Landungsbrücken über. „Ich bin in 20 Minuten in der Stadt", sagt er.
Die unmittelbare Nähe zur Elbe macht den Reiz Waltershofs aus, findet Zeise. Noch heute besteht ein großer Teil der ehemaligen Insel Waltershof aus Hafenbecken. Und weil ihn Wasser „magisch an-zieht", hat Horst Zeise noch einen zweiten Job. Er ist Beauftragter für den Flutschutz in Waltershof. Wenn die Behörde eine Hochwasserwarnung herausgibt, ist er in höchster Alarmbereitschaft.
Einmal im Jahr macht Horst Zeise Urlaub. Immer wieder reist er dann in seine zweite Lieblingsstadt - nach Stockholm in Schweden. Mit dem Boot versteht sich. „Für eine Tour brauche ich eine Woche", sagt der Segler, „der in der Ferne immer Heimweh verspürt. Nach dem Ort, wo im Sommer die Zitronen wachsen - seine Heimat auf Waltershof.